Sandingan

Soziogeografische Bedingungen der Insel Sandingan und Ihr Bezug zum Philippinischen Schulsystem:

Sandingan Island ist eine kleine Insel (ca.10 qkm²), welche über einen Damm mit der Provinz Bohol verbunden ist. Gelegen in den sogenannten Central Visayas, etwa 500 km südlich der philippinischen Hauptstadt Manila und ca 2 Schiffstunden entfernt von Cebu-City, der zweitgrößten Stadt des Landes.
Während die Hauptinsel Bohol rein landwirtschaftlich ausgerichtet ist bzw. in den vergangenen Jahren in den sogenannten Ökotourismus investierte, erlaubt der karge Vulkanboden von Sandingan keinen Anbau von Nahrungsmitteln. Die ca. 1200 Bewohner der Insel hatten sich in der Vergangenheit angesiedelt, um sich vom Fischfang zu ernähren. Moderne Fangmethoden, die zur Überfischung führten, aber auch die Zerstörung der Korallenbänke durch Dynamitfischerei, sowie andere dem globalen “Fortschritt” zuzuschreibende Einwirkungen sorgten in den vergangenen 20 Jahren dafür, dass heute kaum mehr Erträge aus dem Meer, der sog. “Bohol Street” zu holen sind. Die Bevölkerung verarmt zusehends, die Eltern schicken ihre Kinder früh in die Städte um für geringen Lohn zum Lebensunterhalt beizutragen. Soziale Absicherung im westlichen Sinne ist unbekannt. Über die Hälfte der Menschen hier lebt von einem Familien Monatseinkommen, das unter 500 € im Jahr liegt.
Zur Veranschaulichung der Situation, der Transport für eine/n Schüler/in zur High School kostet ca. 50 € im Jahr.

Das philippinische Schulsystem ist in seinen materiellen Bedingungen an das amerikanische Prinzip angelehnt. 3 Jahre alte Kinder werden in den “Day Care Center” betreut, die Schulpflicht beginnt mit 6 in der “Elementarry School” und dauert 6 Jahre, danach folgt der (freiwillige) Übergang zur High School, die nach 4 Jahren abgeschlossen wird. Auf den erfolgreichen Besuch der High School folgt das Studium am College bzw. der Universität.

Das liest sich recht positiv und nachvollziehbar, wenn…….., also:
Die Einrichtung und  der “Day Care Centers” liegt in den Händen der Kommunen, die ihre Pflichten in der Regel an die “Barangays” abtreten, also die Ortsteile oder Dörfer, die zur Großgemeinde gehören. Zur Aufrechterhaltung ihrer Aufgaben wird denen ein Zuschuss, ein sog. “Kickback” gewährt, der sich aus dem Steueraufkommen eben dieser Barangays errechnet. 
Dies bedeutet: Reiche Dörfer = hohes Steueraufkommen = gute Kickbacks = ordentliche Day Care Center. Und umgekehrt natürlich………
Für die “Elemntarry Schools” gilt ähnliches. Der Schulbesuch ist kostenfrei, die Lehr- und Lernbedingungen sind jedoch sehr verschieden. Wer keinen Zugang zu den Entscheidungsträgern hat, geht meist leer aus, wer diese “Beziehungen” hat, bekommt.
Die öffentlischen High Schools werden von der Zentralregierung eingerichtet und unterhalten. Offiziell dürfen sie keine Schulgebühren (Tution Fee) erheben, allerdings wird ihnen weitgehend freie Hand gelassen, selbstkreirte “Beiträge zum Schulalltag” zu erheben. Die Schüler sind z.B. Zwangsmitglieder bei den Pfadfindern, beim Roten Kreuz u.ä..
Mit den “Goverment Highs” konkurrieren private High Schools, als deren Träger meist die Katholische Kirche, zuletzt aber auch mehrere private Interessengruppen auftreten. Diese Einrichtungen müssen sich selbst finanzieren und erheben deshalb Schulgeld, das zwischen 20.000 und 200.000 Peso (320-über 3000 €) betragen kann. Dabei lässt sich durchaus behaupten “je teurer, je besser”.
Colleges und Universitäten, ob öffentlich oder privat erheben Schulgeld, etwa jeder Tausendste wird über ein Stipendium gefördert.